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Mama sein

Jungsmama: Inmitten von Bagger und Superhelden

Wir ihr bereits mitbekommen habt, bin ich eine Jungsmama. Eine richtige Rabaukenmami. Und das ist gut so. <3

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Aber so war das nicht immer.
Ich bin durch und durch Mädchen. War ich schon immer, werde ich immer sein.
Als 4 Jährige trug ich nur Kleider mit meinen weißen Strumpfhosen. Jeans waren etwas für Jungs. Meine Mama versuchte mich zu überreden, dass ich doch einmal eine Jeans tragen sollte, dann könne ich mich draußen im Sandkasten auch mal schmutzig machen. – Aber nein. Ich machte mich nicht schmutzig. Schließlich war ich ein Mädchen 🙂
In der Grundschule ging es weiter. Während andere für Boybands wie die Backstreet Boys oder N’Sync schwärmten, versuchte ich die Welt zu retten. Ich stand auf Tiere, mein Lieblingsbuch war ein Naturforscherbuch und meine Lieblingszeitschrift „Ein Herz für Tiere“.
Wir spielten in der Klasse oft Theater. Das eine Mal war es Aschenputtel. Ich war Aschenputtel und ein Freund der Prinz. Am Ende des Stückes fragte er mich ob ich ihn heiraten wolle, ich konnte nicht „ja“ sagen – er war doch ein Junge. Und Jungs waren „ihhhhh“.
In der weiterführenden Schule entdeckte ich zwar die Schwärmerei für gewisse Jungs, jedoch auch die Farbe Rosa, den Schmuck und die Schminke. Ich war noch immer durch und durch Mädchen. Meine liebsten Bücher waren von der Bücher Reihe „Freche Mädchen, Freche Bücher“.
Als ich eine Mutter kennenlernte und sie mir sagte, dass sie einen Sohn hätte, fragte ich mich, wie man seinen Sohn nur lieben könne. Es ist doch ein Junge. Das verstand ich nicht.

In der ersten Schwangerschaft, machte ich mir gar keine Hoffnung auf ein Mädchen. Mein Gefühl sagte von vorneherein „Junge“. Mein Wunsch nach einem Mädchen war so groß, deshalb bekäme ich eh einen Jungen – und so war es letztendlich auch. Ich wurde eine Jungsmama. Anfangs teilten der Rabauke und ich uns noch ein Zimmer, aus meinem ach-so-schönem rosa Zimmer wurde ein beiges Zimmer.
Blau war absolut nicht meine Farbe, mein Sohn trug sehr viel Erdfarbene Klamotten aber auch rot war absolut in bei uns.
Als er größer wurde hatte ich mehr und mehr Probleme mich mit ihm zu beschäftigen. Bagger, Autos, Züge, das war absolut nicht meine Welt. Und ist es noch immer nicht.
Mir tat das wahnsinnig leid, aber ich bin nicht die Mutter, die sich mit ihrem Sohn hinsetzten kann und die Ritterplaymobilfiguren gegen einander kämpfen lassen kann. Kämpfen. Was haben die Jungs eigentlich alle mit ihren Kriegen? Warum spielen das Kinder nach? Was finden sie so faszinierend an Waffen, Kugelfeuer und Kanonen? Sind das die lauten Geräusche die so berauschend sind? Oder das Gute gegen das Böse? Ich bin einfach keine Jungsmama

Er hat leider von Anfang an gelernt, die Kriege mit sich selbst oder Freunden führen zu müssen, genauso wie Autocrashs und Autowettrennen.
Wir haben eine gute Lösung gefunden, Mama ist für die Spiele, Puzzle, Memorys, Bücher und das Malen zuständig. Das hat und hatte den Vorteil, dass ich mich durch das Vorlesen der Bücher in eine Materie reingelesen habe, die vorher absolut irrelevant für mich gewesen ist.
Ich erkenne mittlerweile die Unterschiede zwischen einer Planierraupe und einem Grader und zwischen einem Hydraulikbagger und einem Teleskopbagger.
Ich habe trotz allem immer versucht mich für seine Interessen zu interessieren. Als er seine Spiderman Phase hatte, habe ich mir mit Freunden alle Filme von Spiderman angesehen um mitreden zu können. Ich habe mir die anderen Marvel Filme wie Thor, Hulk und The Avengers angeschaut.
Dinge die Jahrelang für mich furchtbar waren, waren auf einmal toll. Ich versuchte zu verstehen, warum mein Junge sich für Iron Man und Cowboys interessierte, für Piraten und Dinosaurier.
Und ich verstand es.

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Dann schlich sich der kleine Rabauke ein. Mein Gefühl sagte mir Mädchen. Alles war anders, als in der ersten Schwangerschaft.
Nachdem mir mein Frauenarzt beim Ultraschall sagte, das er etwas sehe, das auf einen Jungen hindeutete, versuchte ich mich rauszureden. „Das kann nicht sein, das ist bestimmt nur die Nabelschnur.“ Er nahm mir jedoch meine Hoffnung.
Ich verließ die Praxis und fing an zu heulen.
Ich konnte nicht mehr. Ich war absolut unzufrieden mit dieser Situation, so ließ ich meinen Gefühlen einfach freien Lauf.
Als ich das einer vertrauten Person erzählte, durfte ich mir die erste Kritik anhören. Ich solle mich freuen, dass mein Kind gesund sei. Und das auch Jungs toll sind.
Ja sie hatte zwei Mädels. Sie hatte leicht reden.
Aber sie hatte Recht!
Ich war traurig darüber, dass mein Baby ein Junge war. Dabei hatte ich doch bereits einen so tollen Jungen. Ich weiß doch wie schön es ist einen Sohn zu haben.
Nach dem ersten Schock freute ich mich total. Ich hatte danach ein schlechtes Gewissen meinem ungeborenen Sohn gegenüber.
Mittlerweile finde ich die Farbe blau so schön. Mein kleiner Rabauke trägt viel blau. Ich finde es schön, dass beide das gleiche Geschlecht haben und so evtl. noch enger zusammen aufwachsen, wenn der Altersabstand schon so groß ist.
Auch wenn der große Bruder sich unbedingt eine Schwester wünschte, damit er sein Spielzeug nicht teilen müsste, war er derjenige, der nach der Geburt sagte „ich habe mir doch die ganze Zeit einen Bruder gewünscht“. Und das war der Moment in der mein Herz als Jungsmama aufging.

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Im Nachhinein sage ich, dass es in Ordnung ist im ersten Moment traurig über das Geschlecht zu sein. Es in Ordnung zu weinen, wenn das Baby doch nicht das Wunschgeschlecht hat. Und es in Ordnung sich zu fragen, ob es mit dem nicht-Wunsch-Geschlecht auch klappen wird. Denn das wird es. Und man wird das Baby über alles lieben. Wenn es da ist, wird man es nicht gegen das eigentliche Wunschgeschlecht eintauschen wollen.

Hattet ihr ein Wunschgeschlecht? Wart ihr enttäuscht als sich rausstellte, dass es doch nicht das erhofft wird? Seid ihr vielleicht auch eine reine Jungsmama?

 

Ja. Jungs sind wild. Jungs sind laut. Jungs sind Rabauken.
Aber Jungs vertragen sich sofort. Denen ist es egal, was sie anziehen. Jungs sind sensibel und vor allem einfühlsam.

Keinen meiner beiden Rabauken gebe ich je wieder her. Ich werde sie beschützen. Ich werde für sie da sein, wann immer sie mich brauchen.
Und ich werde mich weiterhin für sie und ihre Interessen interessieren, auch wenn es mir schwer fällt.

Jungs sind toll. Und ich bin gerne Jungsmama.

Eure Christina