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Erziehung & Erfahrung

Altersabstand? Welcher ist der Richtige?

Vorab, mein Sohn war über 4 Jahre lang Einzelkind. Mit Einzelkind meine ich auch Einzelkind. Es gab keine anderen Kinder in der Familie. Meine Großeltern hatten nur diesen einen Urenkel. Klar, dass er immer und überall von jedem verwöhnt wurde. Hier Geschenke, da Geschenke, hier Beschäftigung, dort Beschäftigung, ständig war jemand für ihn da, wenn er etwas brauchte oder einfach nur jemanden bei sich haben wollte.

Er musste nie alleine spielen.Überall stand mein kleiner Junge im Mittelpunkt, er musste nie lernen Rücksicht auf andere zu nehmen. Seine kleine Welt drehte sich nur um ihn.

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Und dann kam er

Der kleine Bruder schlich sich ein. Völlig ungeplant. Ich hatte Angst. Sehr viel Angst sogar. Wie eifersüchtig wird der Rabauke? An wen lässt er es dann aus? An Mir? Damit könnte ich leben, oder an seinem kleinen Bruder? Das wäre definitiv nicht gut.
Typisch Schwangere eben. Ich machte mir zu viele Sorgen um alles und vorallem um mein verwöhntes Einzelkind.
Ich las Ratgeber und ganz viele verschiedene Artikel über den „perfekten Altersabstand“. Laut Entwicklungspsychologen, liegt der Altersabstand nicht bei 2 Jahren oder 4 Jahren. Nein 3 Jahren.

„Dann hat sich die symbiotisch-enge Beziehung des älteren Kindes zu seinen Eltern schon etwas gelockert, es reagiert gelassener auf sein Brüderchen oder Schwesterchen.“Großer Abstand und ungleiches Geschlecht bedeutet dagegen oft: Die Geschwister sind sich nicht so vertraut, sie haben eher eine Eltern-Kind-Beziehung.[…] (http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/auf-abstand/6028760.html)

Nachdem ich diese Worte las, dachte ich, die Hormongesteuerte mit dickem Bauch, „nein. Meine Kinder. Sie werden sich nie innig lieben. Der Altersabstand von 4 Jahren wäre einfach zu groß.“ Ich machte mir viele Gedanken, rückgängig machen konnte ich es nicht mehr.

 

Die Meinung der Anderen

Ich machte mich völlig verrückt und fixierte mich auf diese Aussagen, die alle ähnlich klangen. Auch im Internet waren sich die Mütter einig, dass der Abstand von 4 Jahren nicht gut sei. 4 Jahre ist eine schwierige Zeit, das Kind ist trotzig, willensstark und nur am Diskutieren.
Ich war völlig fertig mit der Welt. Keiner von diesen Müttern hatte einen Abstand von 4 Jahren, sie hatten lediglich die Phasen eines 4 jährigen Kindes durchgemacht.
Aber sie waren sich alle sicher, 4 Jahre ist kein guter Abstand. Zugleich dachte ich jedoch, dass ihm das SO gut tun würde. Es würde ihm gut tun, weil er lernen würde nicht immer nur im Mittelpunkt zu stehen. Es würde ihm gut tun zu lernen Rücksicht zu nehmen.
Meine Gefühle standen Kopf und jeden Tag der näher der zur Geburt rückte, machte es nicht besser.
Ich wusste auch nicht, warum ich auf einmal so viel auf die Meinung anderer gab. Warum war es mir aufeinmal so wichtig? Wo war mein Selbstbewusstsein? Mir war es immer egal, was andere dachten. „Sollen se machen, ich geh meinen Weg.“

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Die Vorbereitung

Bevor er von dem Baby erfahren sollte, versuchte ich ihn langsam drauf vorzubereiten. Er sollte sich morgens selbstständig anziehen. Er sollte generell etwas selbstständiger sein.
Mit 4 Jahren konnte er sich an- und ausziehen. Mit 4 Jahren konnte er auch den Tisch helfen zu decken und sein Zimmer aufräumen.
All das waren für uns kleine Vorbereitungen. Er würde das nicht mit dem Baby in Verbindung bringen „seitdem du ein Baby im Bauch hast, muss ich mich alleine anziehen“ oder so ähnlich.
Wenn ich ihn so ansah, wusste ich dass er ein toller Bruder sein würde. Er konnte schon immer gut mit Babys.
In der Krippe las er (2) einem Mädchen (8 Monate) auf dem Schoss immer eine Geschichte vor. Er (4) kümmerte sich bei der Eingewöhnung im Kindergarten rührend um ein Mädchen (3). Ich war mir sicher, dass er das Baby liebe würde.
Nachdem mein Rabauke von seinem Geschwisterchen erfuhr, freute er sich wahnsinnig auf das Baby in Mamas Bauch. „Aber es dürfe kein Bruder werden“, mit ihm müsse er sich das Spielzeug ja teilen. „Das Baby soll ein Mädchen werden.“ – Ja wenn man sich das so aussuchen dürfte. Es war jetzt nunmal so, sein Baby wird ein Junge. Ein weitere Rabauke <3
Er wollte es bis zur Geburt auch nicht wahrhaben. Aber das schrieb ich glaube ich schonmal 😀
Nachdem es raus war, nahm er viel Rücksicht auf mich. Er küsste meinen Bauch streichelte ihn. Und fragte jeden Tag, wann das Baby endlich kommen würde.

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Zu viel Sorge um Nichts

Als der kleine Rabauke da war, war alles super. Ich fühlte mich gut. Denn der Große nahm den Kleinen sofort an. Sie laßen zusammen Bücher und kuschelten gemeinsam auf dem Bett.
Im Nachhinein gesehen habe ich mir einen zu groß Kopf gemacht und zu viel auf die Meinung anderer gegeben.
Für uns ist der Geschwisterabstand ideal! Die Beiden sind ein Herz und eine Seele. Der Große beschützt den Kleinen wo es nur geht. Er ist auch wieder Erwartens nicht eifersüchtig.
Die Jungs machen so viel Quatsch miteinander und teilen alles. Klar gibt es des Öfteren auch Streiterein und Willenskämpfe, aber es ist definitiv nicht so schlimm, wie alle gesagt haben!

Ich finde den Altersabstand klasse und würde ihn nicht ändern wollen.
Aber das ist es wahrscheinlich, jeder macht aus dem Abstand den perfekten Abstand. Bei den 2. Kindern hat man keinen Vergleich zu einem anderen Abstand.
Ich glaube den perfekten Altersabstand gibt es nicht. Es hat alles seine Vor- und Nachteile.
Es liegt auch viel an den Eltern, was sie aus diesem Abstand machen.
Ich lasse den Großen keine Aufgaben für den Kleinen übernehmen. Er trägt keine Verantwortung für seinen Bruder.

Wir haben lange gebraucht um uns in den Alltag reinzufinden. Vor allem der Große hat viel Einstecken müssen. Je älter der Kleine wird, desto mehr Freiheiten habe ich auch wieder, die ich besonders mit dem Großen nutzen kann.
Heute zum Beispiel: Der Kleine war am Spielen. Und der Große und ich haben Kakerlakak gespielt. Einfach so. Diese Momente genieße ich in vollen Zügen. <3

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Um es nochmal kurz und knapp zu sagen, den perfekten Geschwisteraltersabstand gibt es in meinen Augen nicht. Denn es ist die Aufgabe der Eltern aus dem Abstand das Beste zu machen 🙂

 

WIE IST ES BEI EUCH? SEID IHR ZUFRIEDEN MIT DEM ALTERSABSTAND?

 

Eure Rabaukenmami

 

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  1. giftmischerin86

    Ich habe leider noch keine Kinder, aber meine Schwester und ich sind 4 Jahre auseinander, wir lieben uns sehr! Als Kinder haben wir uns auch oft böse gezofft, aber seit der Pubertät lieben wir uns, stehen uns sehr sehr nahe und jetzt bin ich Patin für ihre zwei Kinder <3 wir sind unsere Lieblingsmenschen, ich denke somit das es perfekt ist, aber sicher liegt das an was anderem als ob man 2-3-4-5 Jahre auseinander ist.
    Liebe Grüße!
    PS: Bettwäsche und Pyjama aus dem gleich Stoff… find ich voll heiss… sollte dringend nähen lernen 🙂

  2. Mimi Wöhe

    Das hast Du so schön geschrieben! Und diese wundervollen Fotos dazu, hach! Ich wünsche mir auch noch ein kleines Geschwisterchen für unseren kleinen Engel. Er ist jetzt 2,5Jahre und momentan kann ich mir noch nicht vorstellen, dass es jetzt soweit wäre damit zu beginnen. Er benötigt in meinen Augen noch seine Eltern voll und ganz. Wenn jetzt noch jemand dazu kommen würde, könnte ich mr nicht diese Zeit, die ich mir wünschen würde. Ich finde es besser, wenn die Geschwister einen größeren Abstand haben und 3 Jahre wären mir da zu früh. 4 Jahre ist in meinen Augen besser, da sie einfach schon selbstständiger sind.
    Man soll einfach nicht auf andere Meinungen hören sondern einfach auf sein Herz und Bauchgefühl.

    Ach ja, da ist wohl jemand ein kleiner Villervalla-Fan 😉

  3. Eva

    Mein Großer ist fast fünf Jahre älter als die Maus, der Kleinste kam dann schnell nach 1 3/4 Jahren. Der große Abstand sorgt dafür, dass das große Kind nun mal mit anpacken kann, ganz andere Bedürfnisse hat und das Baby anders wahrnimmt. Aus meiner Sicht ein riesen Vorteil. Die Maus hatte es viel schwerer, weil sie ja auch noch gewickelt werden musste, Milch wollte, getragen werden wollte, … Aber sie konnte von ihrem großen Bruder auch lernen, wie sie ein großes Geschwisterchen verhält und ist glücklich klein und groß gleichzeitig zu sein.
    Der große Bruder aber ist einfach toll und ich würd es immer wieder so machen.

    • Rabaukenmami

      Wow. Ja genau so empfinde ich es auch. die 4 1/2 Jahre Abstand sind super. 🙂
      Sie verstehen auch wesentlich mehr und können sich in die kleineren Geschwister hineinversetzen.

      Liebe Grüße,
      Christina

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