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Erziehung & Erfahrung

Kann Kind – Ist unser Kind schulreif?

Mein Rabauke ist ein Kann Kind.
Bei uns hier in Hessen ist der Stichtag der 30.6. – jedes Kinder das nach dem 30.6 geboren ist, zählt als Kann Kind. Darunter fällt auch mein Juli Kind. Er wird nach dem Stichtag erst 6 Jahre alt. Dennoch ist es vor der Einschulung.
Der Stichtag ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, was meiner Meinung nach ziemlich dämlich ist. Wir wohnen 15km von der bayrischen Grenze entfernt. Würden wir dort wohnen, müsste er gehen und wäre kein Kann Kind:

  • Baden-Württemberg: 30. 09.
  • Bayern: 30.09
  • Berlin: 31.12.
  • Brandenburg: 30.09.
  • Bremen: 30.06.
  • Hamburg: 1.07.
  • Hessen: 30.06.
  • Niedersachsen: 30.09.
  • Nordrhein-Westfalen: 30.09.
  • Rheinland-Pfalz: 31.08.
  • Saarland: 30.06.
  • Sachsen: 30.06.
  • Sachsen-Anhalt: 30.06.
  • Schleswig-Holstein: 30.06.
  • Thüringen: 1.08.

Das heißt, wir Eltern, entscheiden darüber, ob unser Kind ein Jahr eher, als Kann Kind in der Schule angemeldet werden soll oder noch ein Jahr in den Kindergarten geht.

 

Keine leichte Entscheidung

Ganz ehrlich. Keine einfache Entscheidung.
Mir haben alle im Freundeskreis davon abgeraten ihn früher anzumelden „Lass den Jungen doch noch länger im Kindergarten spielen, er lernt noch lange genug.“ Ja das stimmt. Aber nach 5 Jahren Kindergartenzeit (2 Jahre Krippe und 3 Jahre Kindergarten) wird ihm das langsam etwas zu langweilig.
Ich habe mir viele und vor allem lange Gedanken drüber gemacht. Schon 1 Jahr zuvor. Er war schon immer weiter, hatte ich zu mindestens das Gefühl. Ich sah ihn selten mit Kindern seines Jahrgangs auf einer Stufe.
Seine zwei besten Freunde gehen dieses Jahr, 2016, definitiv nach den Sommerferien zur Schule. Das war dann auch der ausschlaggebende Grund, warum er in der Schule im September 2015 angemeldet wurde.
Ich habe aber auch von Anfang an gesagt, dass ich ihn angemeldet habe und mehr kann ich nun nicht tun. Für alles andere sind andere verantwortlich.

Wie bereits geschrieben habe ich ihn erst im September 2015 anmelden müssen. Dafür gingen wir zu der extra „Kann Kinder Anmeldung“. Ich füllte einen Info Bogen für die Schule aus, zwei Freunde drauf schreiben mit denen er in eine Klasse kommen soll, außerdem unterschrieb ich noch für die Bestätigung, dass sich die Schule mit seinen Erziehern im Kindergarten unterhalten dürfe. Und dann ging der Rabauke mit einer Lehrerin in einen Raum und musste dort Fragen beantworten. Fragen wie sein Kindergarten heiße, wie er selber heiße, wie alt er sei. Das wars. Er war angemeldet.

Er durfte am „Schulprogramm“ im Kindergarten teilnehmen. Sie haben Ausflüge gemacht, sich 1x die Woche getroffen und waren eben die großen „Schulaustronauten“.
Das gesamte Jahr hörte ich von der Schule nichts. Erst Ende Mai war der Schulbesuchstag in der Grundschule. An dem alle Kinder in Gruppen aufgeteilt wurden und dort dann unter Beobachtung der Lehrer standen um zu schauen wie die Kinder im Sozialverhalten sind. Sie sollten sich selbst malen, etwas vorrechnen und am Klettergerüst zeigen wie sie klettern konnten.

Die Lehrer unterhielten sich mit den Erziehern um nach deren Meinung zu fragen. Als letztes kam die Schulärztliche Untersuchung. Es wurde ein Hör- und Sehtest gemacht. Er sollte verschiedene Wörter aussprechen, ergänzen und wiederholen. Auf einem Bein hüpfen und kleine Rechenübungen erledigen. Die Ärztin gab ihr OKAY für eine Einschulung.

Und dann hieß warten. Wenn im Juni KEIN Brief kommen würde, wird er Ende August eingeschult. So vergingen die Tage. Die Phase des Rabaukens wurde immer schlimmer. Er kam mir völlig unzufrieden und launisch vor. Der Juni kam. 20 Tage warteten wir, dann hatte ich keine Lust mehr und rief in der Schule an. Sie wussten sofort wer mit „Kann Kind“ gemeint war und sagten direkt zu. Er wird eingeschult! Der Rabauke ist richtig ausgerastet bei uns im Wohnzimmer. Es war, als würde eine Last abfallen. Er war verdammt glücklich. Und wenn er es war, war Mama es auch.

 

Kann Kind

 

 

Gespräche führen

Dennoch habe ich mir die Meinungen anderer angehört. Ich meine jetzt nicht Bekannte und Leute die meinen ihn zu kennen. Sondern die Meinung unseres Kinderarztes. Die Entscheidung der schulärztlichen Untersuchung. Und letztendlich die Meinung der Erzieherinnen, mit ihnen habe ich immer wieder gesprochen und sie mit einbezogen, denn sie kennen mein Kind außerhalb der eigenen vier Wände am Besten. Sie können beurteilen, wie sich mein Kind in einer sozialen Gruppe ohne Mama verhält. Außerdem können sie mir auch sagen, wie weit mein Kind im Gegensatz zu Gleichaltrigen entwickelt ist. Und ob ich ihn als Kann Kind anmelden soll oder nicht.

Ob wir nun die richtige Entscheidung getroffen haben, können wir erst in 1-2 Jahren sagen. Ob er eine Klasse wiederholen muss, wissen wir auch nicht. Er wird einer der Jüngsten sein und muss sich gegen über den anderen behaupten. Wegen seiner Größe muss ich mir keine Gedanken machen, er ist bereits jetzt im Kindergarten der Größte seiner Gruppe.
Wir haben uns auch darüber Gedanken gemacht, dass wir ihm 1 Jahr seiner Kindheit „wegnehmen“. Aber laut den Erzieherinnen ist er so wissbegierig und intelligent, dass ihm ein weiteres Jahr im Kindergarten nur langweilen würde. Ich bin gespannt, was ich nächstes Jahr sagen werde. Ich bin gespannt wie sich mein Kann Kind in den nächsten 12 Monaten entwickeln wird. Ob ich es bereue oder froh bin, weil er endlich wieder richtig gefordert wird. Ich bin wirklich gespannt…

 

Kann Kind

 

Mein Tipp an euch

Wenn ihr auch ein Kann Kind habt, macht euch schon 1-2 Jahre vorher Gedanken. Möchte euer Kann Kind selbst auch in die Schule? Nein. Dann macht das direkt keinen Sinn. Ist er motorisch so weit? Gehen seine besten Freunde in die Schule? Oder bleiben diese noch ein Jahr im Kindergarten?
Wie ist der intellektuelle Entwicklungsstand euers Kindes? Interessiert er sich für Dinge? Will alles wissen?
Und wie ist der soziale Stand? Ist euer Kind schüchtern und verunsichert in einer Gruppe? Empfiehlt es sich, dieses Kind noch 1 Jahr länger im Kindergarten zu lassen, damit es als großes Kind ein Selbstvertrauen aufbauen kann. Ein selbstbewusstes Kind kann sich gegenüber älteren Kindern eher behaupten.
Arbeitet mit dem Kind nicht auf die Schule drauf hin. Setzt euer Kann Kind nicht unter Druck, lasst ihn malen wann es will, wie es will. Wenn er die Buchstaben noch nicht lernen mag, lasst es. Wenn er kein Bock auf Schuhe binden hat, ist das auch okay. Es findet sein eigenes Tempo.
Kommuniziert viel mit den Erziehern im Kindergarten, die kennen euer Kind mit am Besten.

Das aller wichtigste jedoch ist, dass ihr auf euer Bauchgefühl hört und nicht auf die Meinung außenstehenden, die meinen euer Kind zu kennen. Schult ihn nicht nur ein, weil die Gesellschaft das will. Lasst ihn nicht noch ein Jahr länger im Kindergarten, weil alle im Umkreis denken, auf das eine Jahr kommt es doch nicht an.
Kommuniziert mit den Fachkräften und vertraut auf euch selbst.

 

Habt ihr ein Kann Kind? Wie habt ihr euch entschieden?

 

Eure Christina